Offenstallhaltung – Bewegungsverhalten bei natürlichen Bedingungen

Der natürliche Lebensraum der Equidaen entsprach der freien Wildbahn, unter freiem Himmel und bei Temperaturen zwischen – 18 °C bis 40°C. Sie hatten viel Fläche, um sich ihr Futter zu suchen. Somit grasten sie circa 16 Stunden am Tag und bewegten sich dabei vorwärts. Mit der Futtersuche verbrachten die Pferde mehr als die Hälfte des Tages. Durch die ständige Futteraufnahme kommt es zum Zug des Nackenbandes an den Dornfortsätzen. Dies führt zur Aufwölbung der Wirbelsäule. Dies hält die Wirbelsäule geschmeidig und verhindert durch die Dehnung der Rückenmuskulatur Schmerzen und Blockaden.

Außerdem bot ihnen die Freiheit genügend Möglichkeit auf andere Pferde zu treffen. Es wurden Herden gebildet welche täglich mehrere Kilometer zurücklegten und immer wieder neue Sozialkontakte baten.  Pferde sind Fluchttiere. Die Wildbahn bot ihnen genügend Raum um zu fliehen und auf ihren Instinkt zu hören.Um in diesen Gegebenheiten überleben zu können, entwickelten die Pferde verschiedene Körperfunktionen, welche bis heute noch erhalten geblieben sind.Pferde besitzen von Natur aus eine Temperaturtoleranz, die sie vor eisiger Kälte, aber auch vor extremer Hitze schützt. Besonders im Offenstall kommt diese Toleranz wieder zum Vorschein. Ein Unterstand bietet Schutz, ansonsten hat das Pferd gelernt mit den Temperaturschwankungen zu Recht zu kommen.

Außerdem besitzt das Pferd eine sehr hohe Sensibilität gegen Umweltreize. In einem Offenstall haben Pferde die Möglichkeit auf diese Umweltreize zu reagieren, entweder mit Flucht, oder Interesse für die jeweilige Sache. Es ist genügend Fläche vorhanden, um mit dieser Sensibilität zurrecht zu kommen. In der Box würde das Pferd wahrscheinlich abstumpfen, da es um die eigene Sicherheit hinter den Stäben weiß, oder panisch in der Box umherlaufen, da keine Fluchtmöglichkeit vorhanden ist und sich evtl. verletzen. Durch die großen Strecken welche die Pferde früher schon zurück legen mussten, besitzen sie eine große Ausdauer. Daher sind Pferde durchaus in der Lage mehrere Stunden am Tag zu laufen. Der Bewegungsapparat und die Psyche sind auf genügend Bewegung konzipiert und zeigen bei mangelnder Aktivität oft negative Folgen, da dies mit der hohen Ausdauerfähigkeit oftmals nicht zu vereinbaren ist. All diese Ansprüche müssen vorhanden sein, damit das Pferd seine Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Körperfunktionen einsetzen und ausleben kann.

Besonders die tägliche und ganztägige Bewegung spielen bei der Offenstallhaltung unter natürlichen Bedingungen eine große Rolle. Jede Tätigkeit des Pferdes geht mit Bewegung einher, denn darauf ist der Körper ausgerichtet. Ein Offenstall bietet diese Möglichkeiten. Die langsamen Bewegungen über den ganzen Tag fördern die Durchblutung des ganzen Körpers. Die frische Luft hilft vor allem im Jungpferdealter die Lunge adäquat auszubilden, um ihrer Funktion vollständig nachzugehen und gut arbeiten zu können. Außerdem fördert die Bewegung besonders in diesem Alter das Knochenwachstum, durch das höhere Spielverhalten in einem Offenstall.

Der Offenstall bietet auch die Möglichkeit verschiedener Futter- und Trinkstellen. In der Wildbahn fressen Pferde 2 Bissen um dann weiter zu laufen. Somit kommen Stehpausen selten und nie länger als 12 Sekunden lang vor. Die Futteraufnahme bedeutet für die Pferde eine zweckgebundene Fortbewegung mit einem Ziel. Somit ist die Strecke der Pferde von den natürlichen Gegebenheit abhängig.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Offenstallkonzept versucht den natürlichen Gegebenheiten so nah wie möglich zu kommen, denn Pferde brauchen Futter, Wasser, Sozialkontakt, Licht, frische Luft und dafür ausreichend Bewegung.Der Pferdekörper ist auf überwiegend langsame Bewegungen ( Schritt ) auf geraden Strecken mit großen Schritten ausgelegt, was in Pferdeboxen leider nicht gegeben ist. Der Offenstall vereint physische und psychische Gegebenheiten, welche sich gegenseitig sehr stark beeinflussen. Wenn der körperlichen Ansprüche des Pferdes nicht seiner Umwelt entsprechen, wird das Pferd kein absolutes psychisches Wohlbefinden aufweisen können.

 

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